An einer Kante tastet ein ruhiger goldener Bogen das Dunkle ab und findet Trittsteine über die Lücke. Tastet er endlos weiter, zieht sich der Punkt in die Gruppe zurück – bis er den gefundenen Weg mutig geht und das Ziel aufleuchtet.
Kurz gesagt
Ein Höhenbergsteiger lernt, dass der Gipfel warten kann. Seine Bereitschaft umzukehren ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Voraussetzung für seinen größten Erfolg.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Der US-Amerikaner Ed Viesturs nahm sich vor, alle 14 Berge über 8.000 Meter ohne Flaschensauerstoff zu besteigen. Sein Weg dorthin zeigt Besonnenheit als die Kunst, rechtzeitig Nein zu sagen – auch zu sich selbst.
Ein Pfad führt fast bis zum Gipfel und kehrt golden um – wie Ed Viesturs, der 90 Meter unter dem Gipfel umkehrte.
01
Umkehr am Everest
Situation
1987 drehte Viesturs am Mount Everest rund 300 Fuß, also etwa 90 Meter, unter dem Gipfel um, weil die Bedingungen nicht stimmten.
Bezug zum Wert
So nah am Ziel umzukehren, verlangt, den eigenen Ehrgeiz zu zügeln. Besonnenheit misst sich an der Lage, nicht am Wunsch.
02
Der dritte Anlauf an der Annapurna
Situation
Die Annapurna, seinen letzten Achttausender, hatte er bereits zweimal erfolglos versucht. 2005 ließ der Wind gerade so weit nach, dass ein Aufstieg möglich war. Am 12. Mai stand er nach elf Stunden oben – als erster US-Amerikaner auf allen 14 Achttausendern. Er sei mental darauf vorbereitet gewesen umzukehren, sagte er National Geographic: „I could have come back again.“
Bezug zum Wert
Die Bereitschaft zur Umkehr machte den Erfolg erst möglich. Wer wiederkommen will, muss zurückkommen.
03
Eine Bilanz ohne Verluste
Situation
Seine Bilanz fasste Viesturs so zusammen: „I still have all my fingers and toes. No lingering effects. No frostbite. No team member killed or injured.“ Sein Leitsatz lautet: „Getting to the top is optional. Getting down is mandatory.“ – der Gipfel ist freiwillig, der Abstieg Pflicht.
Bezug zum Wert
Besonnenheit heißt, Erfolg nicht nur am Gipfel zu messen, sondern an der sicheren Rückkehr aller.
04
Die andere Seite
Wie gefährlich der Höhenbergsport bleibt, zeigt seine eigene Geschichte: 1996 starben am Everest in einem Sturm acht Bergsteiger, darunter Scott Fischer, mit dem Viesturs 1992 am K2 knapp einer Lawine entkommen war. Und etwa eine Woche nach Viesturs' Besteigung kam Christian Kuntner auf der Route an der Annapurna durch Eisschlag ums Leben. Besonnenheit verringert das Risiko, beseitigt es aber nicht.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Umkehrpunkt vorher festlegenEntscheide, bevor du losgehst, unter welchen Bedingungen du abbrichst.
02
Rückkehr vor GipfelMiss Erfolg auch daran, ob dein Team heil zurückkommt.
03
Verzicht als InvestitionEin Nein heute kann das Ja von morgen erst möglich machen.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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