Ein goldener Punkt löst sich aus der Gruppe und geht allein ins Dunkle. Stürmt er blind über die Kante, strauchelt er – bis er innehält, ein ruhiger Bogen den Weg abtastet und er Stein für Stein ans Ziel kommt.
Kurz gesagt
1971 musste die Verlegerin der Washington Post entscheiden, ob ihre Zeitung geheime Regierungsdokumente zum Vietnamkrieg veröffentlicht – gegen den Rat von Anwälten und Geschäftsführung. Mut zeigt sich hier als Entscheidung unter Druck, bei der viel auf dem Spiel steht.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Katharine Graham übernahm 1963 nach dem Suizid ihres Mannes Philip Graham die Leitung der Washington Post – eine Rolle, mit der sie nicht gerechnet hatte. Anfangs fühlte sie sich nach eigenen Worten unsicher und unterlegen und tat sich schwer mit Entscheidungen, die anderen missfallen könnten. Im Juni 1971 kam der Moment, in dem sie nicht ausweichen konnte.
Ein goldenes Blatt löst sich von einem Stapel und geht hinaus in die Welt – wie Katharine Graham bei den Pentagon Papers.
01
Eine Zeitung unter Druck
Situation
Am 13. Juni 1971 begann die New York Times, Auszüge aus den Pentagon Papers zu veröffentlichen; nach drei Artikeln erwirkte die Regierung Nixon eine einstweilige Verfügung. Nun hatte die Post die Dokumente. Die Anwälte und die Geschäftsseite rieten zu warten. Zudem hatte die Post gerade angekündigt, an die Börse zu gehen, aber noch keine Aktien verkauft – das Unternehmen war für eine Strafverfolgung besonders verwundbar.
Bezug zum Wert
Mut zeigt sich, wenn die Gründe dagegen gut sind. Graham kannte die Risiken genau.
02
„Let's go. Let's publish.“
Situation
Die Redaktion um Ben Bradlee drängte, keinen Tag zu verlieren. Fritz Beebe, Chef des Unternehmens und selbst Jurist, sagte, er persönlich würde nicht veröffentlichen. Graham verstand das so, dass die Entscheidung bei ihr lag. Nach eigenen Worten musste sie „in about a minute“ entscheiden – und sagte: „Let's go. Let's publish.“
Bezug zum Wert
Mut ist oft keine lange Abwägung, sondern ein klarer Entschluss im entscheidenden Moment, getragen von dem, was man vorher verstanden hat.
03
Recht bekommen
Situation
Am 18. Juni 1971 erschien der erste Bericht der Post. Die Regierung forderte die Zeitung auf aufzuhören und beantragte ebenfalls eine Verfügung. Am 30. Juni 1971 entschied der Supreme Court mit 6:3 Stimmen zugunsten der Zeitungen.
Bezug zum Wert
Mut braucht keine Erfolgsgarantie. Graham entschied, bevor sie wusste, wie das Gericht urteilen würde.
04
Die andere Seite
Graham selbst hielt ihre Entscheidung nicht für mutig: Mut setze eine echte Wahl voraus, und die habe sie nur „for about a minute“ gehabt. Ihre Geschichte zeigt aber auch, wie sehr Mut wächst: Früher, sagte sie, habe sie die Zustimmung aller gebraucht – „a very poor way to be a leader“.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Risiken kennenHör dir die Gegenargumente genau an, bevor du entscheidest.
02
Verantwortung annehmenWenn die Entscheidung bei dir liegt, triff sie.
03
Mut wächstUnsicherheit am Anfang heißt nicht, dass du später nicht entschlossen handeln kannst.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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