Ein goldener Weg wird Schritt für Schritt auf einem Raster geprüft und kommt dem Ziel näher. Zoomt das Raster immer enger um den letzten Schritt, stockt der Weg – bis ein schneller Bogen zum Ziel springt und die Schritte ihm folgen.
Kurz gesagt
Googles People-Analytics-Team wollte mit Daten beweisen, dass Manager keinen Unterschied machen – und widerlegte die eigene These. Das Projekt zeigt, wie Rationalität auch eigene Annahmen in Frage stellt.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
2002 schafften die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin die Engineering-Manager ab, um Ideen schneller voranzubringen. Das Experiment dauerte nur wenige Monate: Page wurde mit Fragen zu Spesenabrechnungen und zwischenmenschlichen Konflikten überhäuft, und die Gründer machten die Änderung rückgängig. Einige Jahre später wollte Google die Frage gründlicher klären.
Ein Streudiagramm widerlegt eine flache gestrichelte Annahme, die goldene Linie steigt – wie Googles Datenprojekt zu Führungskräften.
01
Die eigene These widerlegen
Situation
Anfang 2009 startete das People-Analytics-Team um Prasad Setty das Forschungsprojekt „Project Oxygen“ mit der Frage: Machen Manager überhaupt einen Unterschied? Das Team versuchte zu beweisen, dass sie es nicht tun. „Luckily, we failed“, sagte Neal Patel aus dem Analyseteam. Teams gut bewerteter Manager hatten 2008 eine geringere Fluktuation; die Bindung hing enger mit der Qualität der Führung zusammen als mit Dienstalter, Leistung oder Beförderungen.
Bezug zum Wert
Rationalität heißt hier, eine Annahme so zu prüfen, dass sie auch scheitern kann – und das Ergebnis dann ernst zu nehmen.
02
Acht Verhaltensweisen
Situation
Aus Mitarbeiterbefragungen, Leistungsbeurteilungen, Austrittsgesprächen und doppelt verblindeten Interviews mit gut und schlecht bewerteten Managern leitete das Team acht Verhaltensweisen guter Führung ab: gut coachen, Verantwortung übertragen ohne Mikromanagement, Interesse am Wohl der Mitarbeitenden zeigen, ergebnisorientiert arbeiten, gut kommunizieren, Karrieren fördern, eine klare Vision vertreten – und fachlich beraten können. Die fachliche Kompetenz war nur eine von acht. Von 2010 bis 2012 stieg die mittlere Zustimmung zu den Managern von 83 auf 88 Prozent.
Bezug zum Wert
Aus Daten wurden konkrete, lernbare Verhaltensweisen – Führung wurde messbar und verbesserbar.
03
Die andere Seite
Der Bericht in der Harvard Business Review nennt auch Grenzen: Die vielen Befragungen drohten zu einer „evaluation overload“ zu führen, und wie sich die weichen Faktoren auf Umsatz, Produktivität und Gewinn auswirken, blieb unklar.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Gegenthese prüfenVersuche, deine Annahme zu widerlegen – nicht nur, sie zu bestätigen.
02
Verschiedene Quellen nutzenZahlen und Gespräche zusammen ergeben ein vollständigeres Bild als jede Quelle allein.
03
Grenzen benennenNicht alles, was zählt, lässt sich zählen – sag offen, was deine Daten nicht zeigen.
Lies nach, was hinter Rationalität steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Intuition.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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Wert und Schwester – aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.