Wie Jaime Escalante Schülern aus East Los Angeles Hochschulmathematik zutraute
Ein Mathematiklehrer verlangte von Jugendlichen, denen kaum jemand etwas zutraute, Analysis auf College-Niveau – und hielt ihnen den Weg dorthin offen.
Hoch oben liegt eine goldene Marke, und die Punkte wachsen ihr entgegen. Rückt sie immer höher, mühen sie sich und fallen zurück – bis eine Mulde sie auffängt, die Marke auf erreichbare Höhe kommt und alle sie erreichen.
Kurz gesagt
Ein Mathematiklehrer verlangte von Jugendlichen, denen kaum jemand etwas zutraute, Analysis auf College-Niveau – und hielt ihnen den Weg dorthin offen. Leistungsanspruch heißt hier: mehr erwarten und mehr dafür tun.
2 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Jaime Escalante unterrichtete von 1974 bis 1991 an der Garfield High School in East Los Angeles, einem sozial schwachen Stadtteil mit vielen hispanischen Einwanderern. Der gebürtige Bolivianer war selbst über Umwege in den Lehrberuf zurückgekehrt, obwohl er dort deutlich weniger verdiente. Seine Geschichte zeigt, dass hohe Erwartungen eine Form von Respekt sein können.
Eine steile Treppe, ein kleiner Punkt auf der untersten Stufe, oben wartet Gold – wie Jaime Escalante, der seinen Schülern viel zutraute.
01
Ein Deal statt Nachsicht
Situation
Escalante schloss mit seinen ersten Schülern eine Vereinbarung: Er bringt ihnen Mathematik bei, sie sollen dafür aufs College gehen und gute Jobs in Technik oder Computerbranche finden. Ab 1978 bot er einen AP-Calculus-Kurs an, zunächst mit fünf Schülern; dazu kamen mehrwöchige Sommerkurse am East Los Angeles College.
Bezug zum Wert
Er senkte das Ziel nicht auf die Herkunft der Schüler ab, sondern baute den Weg aus. Sein eigener Satz dazu: „The key to my success with youngsters is very simple and a time-honored tradition: hard work for teacher and student alike.“
02
1982: Alle bestehen – und müssen es noch einmal beweisen
Situation
1982 bestanden alle 18 Schüler seines Kurses die anspruchsvolle AP-Prüfung, sieben davon mit der Bestnote. Der Educational Testing Service vermutete Betrug, weil sich die Fehler auffällig glichen. 14 Schüler sollten die Prüfung wiederholen, zwölf stimmten zu – und alle zwölf bestanden erneut.
Bezug zum Wert
Der Anspruch trug auch unter Verdacht. Die Schüler hatten den Stoff wirklich gelernt; das Ergebnis ließ sich wiederholen. In den Folgejahren wuchs das Programm: 1987 bestanden 73 Schüler die AB- und 12 die BC-Version der Prüfung.
03
Die andere Seite
Das Programm wuchs auf über 400 Schüler, manche Klassen hatten mehr als 50 Teilnehmer statt der erlaubten 35 – dafür gab es Kritik. 1990 verlor Escalante den Vorsitz der Mathematikabteilung, 1991 verließ er die Schule; nach seinem Weggang sank die Zahl der bestandenen Prüfungen binnen weniger Jahre um 80 Prozent. Ein Anspruch, der an einer Person hängt, ist verletzlich.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
ZutrauenHohe Erwartungen sagen deinem Gegenüber, dass du an es glaubst.
02
MitgehenWer viel verlangt, muss selbst viel investieren – Zeit, Zusatzangebote, Geduld.
03
AbsichernBaue Strukturen, damit der Anspruch auch ohne dich weiterlebt.
Lies nach, was hinter Leistungsanspruch steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Fürsorge.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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