Ringsum legen die anderen ihre kleinen Lichter in eine goldene Schale, die sie sorgsam hält. Schließt sie sich zur undurchsichtigen Kapsel, weichen die anderen zurück – bis die Wand durchlässig wird und man wieder hineinsehen kann.
Kurz gesagt
Nach einem Skandal um manipulierte Gebote bei US-Staatsanleihen übernahm Warren Buffett 1991 übergangsweise die Führung der Investmentbank Salomon Brothers. Er zeigte, dass Vertrauen zurückgewonnen wird, indem man den Ruf über den kurzfristigen Gewinn stellt – und das auch durchsetzt.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Warren Buffett saß seit 1987 im Verwaltungsrat von Salomon Brothers. 1991 wurde bekannt, dass ein Händler der Bank, Paul Mozer, bei Auktionen von US-Staatsanleihen falsche Gebote abgegeben hatte, um mehr Anleihen zu kaufen, als einem einzelnen Bieter erlaubt war. Konzernchef John Gutfreund verließ im August 1991 das Unternehmen, Buffett sprang als Vorsitzender ein. Seine Aufgabe: eine Bank zu retten, der niemand mehr traute.
Ein goldener Punkt wiegt schwerer als ein Stapel Münzen – wie Warren Buffett, der bei Salomon Brothers den Ruf zur Chefsache machte.
01
Am Rand des Abgrunds
Situation
Am 18. August 1991 schloss das US-Finanzministerium Salomon von den Anleiheauktionen aus. Buffett wandte sich persönlich an Finanzminister Nicholas Brady und machte klar, was auf dem Spiel stand; noch am selben Tag wurde der Ausschluss teilweise wieder aufgehoben.
Bezug zum Wert
Vertrauenswürdigkeit ist im Finanzgeschäft die eigentliche Geschäftsgrundlage. Ohne sie drohte der Bank das Aus – unabhängig davon, wie profitabel sie war.
02
Eine Regel, die jeder versteht
Situation
Am 4. September 1991 erschien Buffett vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses. Er entschuldigte sich für das Fehlverhalten von Salomon, das einen Makel auf die rund 8.000 Beschäftigten werfe, und nannte seine Regel für die Belegschaft: „Lose money for the firm, and I will be understanding; lose a shred of reputation for the firm, and I will be ruthless.“ – Verliert Geld für die Firma, und ich werde Verständnis haben; verliert auch nur ein Stück vom Ruf der Firma, und ich werde rücksichtslos sein.
Bezug zum Wert
Vertrauenswürdig wird eine Organisation, wenn ihre Führung klar sagt, was nicht verhandelbar ist. Buffetts Satz ist bis heute ein Lehrstück dafür.
03
Taten, die die Worte decken
Situation
Buffett ordnete laut Fortune „außergewöhnliche Kooperation“ mit Aufsichtsbehörden und Justiz an und drängte darauf, die Fakten rasch und vollständig offenzulegen. Für das Jahresende 1991 kürzte er den Bonustopf um 110 Millionen Dollar, obwohl die Gewinne gegenüber 1990 gestiegen waren. Salomon einigte sich schließlich auf Zahlungen von 290 Millionen Dollar.
Bezug zum Wert
Vertrauen entsteht nicht durch Entschuldigungen allein. Erst die Kooperation und die spürbaren Konsequenzen machten die Worte glaubwürdig.
04
Die andere Seite
Buffett handelte nicht ganz uneigennützig: Als langjähriges Verwaltungsratsmitglied stand auch sein eigener Ruf auf dem Spiel. Und er stellte klar, dass er sich für das Handeln der Firma entschuldigte, nicht für sein eigenes.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Prioritäten aussprechenSag deinem Team klar, was dir wichtiger ist als Zahlen.
02
Konsequenz zeigenVertrauen wächst, wenn Regeln auch dann gelten, wenn sie Geld kosten.
03
Offenlegen statt versteckenWer Fehler zügig auf den Tisch legt, gewinnt Glaubwürdigkeit zurück.
Lies nach, was hinter Vertrauenswürdigkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Transparenz.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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