Werte
Blog
  1. Start
  2. Werte
  3. Fehlerfreundlichkeit
36Zielwert

Fehler­freundlich­keit

„Bei mir darf man Fehler zeigen und daraus lernen.“

Fehler früh sichtbar machen dürfen, ohne bloßgestellt zu werden – damit das Team aus ihnen lernt, statt sie zu verstecken.

Punkte fügen sich Spalte um Spalte zu einem Raster; ein schiefer wird golden ins Licht geholt statt versteckt, und das Raster lernt. Wird alles nur noch durchgewunken, verlottert es – bis ein ruhiges Lineal es Spalte für Spalte wieder ausrichtet.
Kurz gesagt

Bei mir darf man Fehler zeigen und daraus lernen.

Was Fehlerfreundlichkeit bedeutetFehler früh sichtbar machen dürfen, ohne bloßgestellt zu werden – damit das Team aus ihnen lernt, statt sie zu verstecken.

Umfasst auchPsychologische SicherheitLernkultur

Die Wertematrix

Fehlerfreundlichkeit im Gleichgewicht

Fehlerfreundlichkeit braucht Sorgfalt als Gegengewicht. Zu viel Fehlerfreundlichkeit wird zu Unsorgfältigkeit – der Weg zurück führt über Sorgfalt.

In Balance

Begriffe erklärt

Zielwert 36

Fehler­freundlichkeit

„Bei mir darf man Fehler zeigen und daraus lernen.“

auch Fehlerkultur, Fehler­tole­ranz

Gemeint ist ein Umfeld, in dem Fehler offen angesprochen statt versteckt werden. Hilfreich, weil nur gemeldete Fehler korrigiert werden können.

In Balance mit: Sorgfalt. Zu viel davon: Unsorgfältigkeit. Verneint durch: Fehlerfeindlichkeit.

Schwestertugend S36

Sorgfalt

„Ich arbeite genau und gründlich.“

auch Gründ­lichkeit, Exaktheit

Gemeint ist Gewissenhaftigkeit, die Fehler möglichst vermeidet. Hilfreich, weil Fehlerfreundlichkeit nicht heißt, Fehler gleichgültig hinzunehmen.

In Balance mit: Fehlerfreundlichkeit. Zu viel davon: Fehlerfeindlichkeit. Verneint durch: Unsorgfältigkeit.

Zur Seite Sorgfalt

Übertreibung von Fehlerfreundlichkeit

Un­sorgfältig­keit

„Fehler passieren halt.“

auch Schlamperei, Nachlässig­keit

Verneinung der Sorgfalt und zugleich überzogene Fehlerfreundlichkeit. Grenzwertig, weil vermeidbare Fehler zur Gewohnheit werden – mit Folgen für Kunden und Sicherheit.

Übertreibung von: Fehlerfreundlichkeit. Verneinung von: Sorgfalt. Entwicklungsrichtung: Sorgfalt.

Übertreibung von Sorgfalt

Fehler­feindlichkeit

„Fehler darf es nicht geben.“

auch Fehlerangst, Null-Fehler-Druck

Gegenwort zur Fehlerfreundlichkeit und zugleich überzogene Sorgfalt. Grenzwertig, weil Menschen Fehler verstecken und niemand mehr etwas Neues wagt.

Übertreibung von: Sorgfalt. Verneinung von: Fehlerfreundlichkeit. Entwicklungsrichtung: Fehlerfreundlichkeit.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeFehlerfreundlichkeit · Sorgfalt · Unsorgfältigkeit · Fehlerfeindlichkeit

Zielwert

Fehler­freundlich­keit

auch Fehlerkultur · Fehlertoleranz

Gemeint ist ein Umfeld, in dem Fehler offen angesprochen statt versteckt werden. Hilfreich, weil nur gemeldete Fehler korrigiert werden können.

Schwestertugend

Sorgfalt

auch Gründlichkeit · Exaktheit

Gemeint ist Gewissenhaftigkeit, die Fehler möglichst vermeidet. Hilfreich, weil Fehlerfreundlichkeit nicht heißt, Fehler gleichgültig hinzunehmen.

Übertreibung von Fehlerfreundlichkeit

Unsorgfältigkeit

auch Schlamperei · Nachlässigkeit

Verneinung der Sorgfalt und zugleich überzogene Fehlerfreundlichkeit. Grenzwertig, weil vermeidbare Fehler zur Gewohnheit werden – mit Folgen für Kunden und Sicherheit.

Der Weg heraus: Richtung Sorgfalt

Übertreibung von Sorgfalt

Fehlerfeindlichkeit

auch Fehlerangst · Null-Fehler-Druck

Gegenwort zur Fehlerfreundlichkeit und zugleich überzogene Sorgfalt. Grenzwertig, weil Menschen Fehler verstecken und niemand mehr etwas Neues wagt.

Der Weg heraus: Richtung Fehlerfreundlichkeit

Die ÜbertreibungWann Unsorgfältigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Fehlerfreundlichkeit heißt Unsorgfältigkeit (auch: Schlamperei, Nachlässigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Wirtschaft

Ein Entwicklungsteam baut in zwei Tagen einen groben Prototyp aus Karton und Klebeband, um eine Produktidee mit Kunden zu testen. Perfektion wäre hier Verschwendung – der Entwurf soll scheitern dürfen, bevor viel Geld fließt.

Familie

Junge Eltern lassen in den ersten Wochen mit ihrem Neugeborenen Haushalt und Ordnung bewusst schleifen: Die Wäsche bleibt liegen, das Essen kommt auch mal aus der Tiefkühltruhe. In dieser Zeit zählen Schlaf und Zuwendung mehr als eine aufgeräumte Wohnung.

Woran man den Unterschied erkennt

Nachlässigkeit trägt, wo Fehler billig und folgenlos sind und Tempo oder Kraft für Wichtigeres gebraucht werden. Sie schadet, sobald es um Sicherheit, Gesundheit oder Anvertrautes anderer geht oder der „Entwurf“ unbemerkt zum Endprodukt wird.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung

Dass Fehlerfreundlichkeit Sorgfalt als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Sprüche 28,13

    „Wer seine Missetat leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Offenheit über Fehler ist der Anfang der Besserung.

  2. 5. Jh. v. Chr.
    China
    Konfuzius

    „Hast du Fehler, so scheue dich nicht, sie zu verbessern“, Lunyu 1.8; „Einen Fehler machen und ihn nicht verbessern – das erst heißt einen Fehler machen“, Lunyu 15.29

  3. 4. Jh. v. Chr.
    Philosophie
    Aristoteles

    Man kann „auf vielfache Weise fehlen“, aber „nur auf eine Weise recht machen“ – „es ist leicht, das Ziel zu verfehlen, aber schwer, es zu treffen“, Nikomachische Ethik II

  4. 1. Jh.
    Neues Testament
    Johannes 21,15–17

    Nach der dreifachen Verleugnung fragt Jesus Petrus dreimal „Hast du mich lieb?“ – und vertraut ihm danach die Herde an. Der Fehler wird angesprochen, nicht übergangen, und beendet die Berufung nicht.

    Jakobus 3,2

    „Denn wir fehlen alle mannigfaltig.“ Wer das weiß, führt nicht mit dem Anspruch der Fehlerlosigkeit.

  5. um 200
    Jüdische Auslegung
    Mischna

    „Der Schüchterne lernt nicht“, Avot 2,5

  6. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    „Kein Mensch versteht die Worte der Tora, wenn er nicht darin gestrauchelt ist“, Gittin 43a

  7. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung3 Studien, davon 1 Metaanalyse · 1996–2008
3 Studiendavon 1 Metaanalyse1996–2008 Zeitraum
  1. 1996
    Studie

    In einer Studie an Krankenhausstationen meldeten gerade die besser geführten Teams mehr Medikationsfehler – nicht weil sie mehr Fehler machten, sondern weil sie eher bereit waren, sie offenzulegen.

    Edmondson, 1996
  2. 1999
    Studie51 Teams

    In 51 Teams eines Industrieunternehmens sagte „psychologische Sicherheit“ das Lernverhalten voraus, und dieses wiederum die Teamleistung.

    Edmondson, 1999
  3. 2008
    Metaanalyse

    Eine Metaanalyse zeigt: Trainings, die Fehler ausdrücklich erlauben und auswerten, schneiden besser ab als fehlervermeidende – vor allem, wenn das Gelernte auf neue Aufgaben übertragen werden muss.

    Keith & Frese, 2008
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Was passiert in deinem Team, wenn jemand sagt: „Mir ist ein Fehler passiert“?
  2. Wann hast du zuletzt einen eigenen Fehler offen benannt – vor allen?
  3. Unterscheidest du zwischen einem mutigen Versuch, der scheitert, und einer vermeidbaren Nachlässigkeit?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

Wertecheck

Welche Werte tragen deine Führung?

In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.

Wertecheck starten
Wertewappen

Fehlerfreundlichkeit im Wappen

Farbe im Wappen: Grün

  • SymbolGeknicktes Rohr

    Ein geknicktes Rohr ist geschwächt, aber nicht verloren – wer es nicht vollends zerbricht, lässt ihm die Chance, sich wieder aufzurichten. Es steht für dich, wenn du Menschen nach einem Fehler nicht abschreibst, sondern ihnen hilfst, wieder aufzustehen.

  • oder als AlternativeGlimmender Docht

    Ein glimmender Docht brennt nur noch schwach, doch mit etwas Schutz und Luft kann daraus wieder eine Flamme werden. Damit betonst du, dass du Motivation nach Rückschlägen schützt und den kleinen Funken in jemandem wieder entfachst.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Fehlerfreundlichkeit

Was bedeutet Fehlerfreundlichkeit?

Fehler früh sichtbar machen dürfen, ohne bloßgestellt zu werden – damit das Team aus ihnen lernt, statt sie zu verstecken. Der Ich-Satz dazu: „Bei mir darf man Fehler zeigen und daraus lernen.“

Was ist die Schwestertugend von Fehlerfreundlichkeit?

Sorgfalt (S36). Gemeint ist Gewissenhaftigkeit, die Fehler möglichst vermeidet. Hilfreich, weil Fehlerfreundlichkeit nicht heißt, Fehler gleichgültig hinzunehmen.

Was ist die Übertreibung von Fehlerfreundlichkeit?

Unsorgfältigkeit (auch: Schlamperei, Nachlässigkeit). Verneinung der Sorgfalt und zugleich überzogene Fehlerfreundlichkeit. Grenzwertig, weil vermeidbare Fehler zur Gewohnheit werden – mit Folgen für Kunden und Sicherheit.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Nachlässigkeit trägt, wo Fehler billig und folgenlos sind und Tempo oder Kraft für Wichtigeres gebraucht werden. Sie schadet, sobald es um Sicherheit, Gesundheit oder Anvertrautes anderer geht oder der „Entwurf“ unbemerkt zum Endprodukt wird.

Was sagt die Forschung zu Fehlerfreundlichkeit?

In einer Studie an Krankenhausstationen meldeten gerade die besser geführten Teams mehr Medikationsfehler – nicht weil sie mehr Fehler machten, sondern weil sie eher bereit waren, sie offenzulegen (Edmondson, 1996). In 51 Teams eines Industrieunternehmens sagte „psychologische Sicherheit“ das Lernverhalten voraus, und dieses wiederum die Teamleistung (Edmondson, 1999).

Welche Beispiele gibt es für Fehlerfreundlichkeit?

Zum Beispiel: Sara Blakely (Spanx), Ed Catmull (Pixar).

Dein nächster Schritt

Werte leben – gemeinsam mit WEGVISOR

Lesen verändert das Denken. Anwenden verändert die Ergebnisse. Wähle, wie du weitermachen möchtest.

Platz in der Leadership Group anfragen

Wir melden uns mit den nächsten Terminen und allen Details.

Du kommst von: Fehlerfreundlichkeit (36).