Fehlerfreundlichkeit im Gleichgewicht
Fehlerfreundlichkeit braucht Sorgfalt als Gegengewicht. Zu viel Fehlerfreundlichkeit wird zu Unsorgfältigkeit – der Weg zurück führt über Sorgfalt.
Begriffe erklärt
Zielwert 36
Fehlerfreundlichkeit
„Bei mir darf man Fehler zeigen und daraus lernen.“
auch Fehlerkultur, Fehlertoleranz
Gemeint ist ein Umfeld, in dem Fehler offen angesprochen statt versteckt werden. Hilfreich, weil nur gemeldete Fehler korrigiert werden können.
In Balance mit: Sorgfalt. Zu viel davon: Unsorgfältigkeit. Verneint durch: Fehlerfeindlichkeit.
Schwestertugend S36
Sorgfalt
„Ich arbeite genau und gründlich.“
auch Gründlichkeit, Exaktheit
Gemeint ist Gewissenhaftigkeit, die Fehler möglichst vermeidet. Hilfreich, weil Fehlerfreundlichkeit nicht heißt, Fehler gleichgültig hinzunehmen.
In Balance mit: Fehlerfreundlichkeit. Zu viel davon: Fehlerfeindlichkeit. Verneint durch: Unsorgfältigkeit.
Zur Seite SorgfaltÜbertreibung von Fehlerfreundlichkeit
Unsorgfältigkeit
„Fehler passieren halt.“
auch Schlamperei, Nachlässigkeit
Verneinung der Sorgfalt und zugleich überzogene Fehlerfreundlichkeit. Grenzwertig, weil vermeidbare Fehler zur Gewohnheit werden – mit Folgen für Kunden und Sicherheit.
Übertreibung von: Fehlerfreundlichkeit. Verneinung von: Sorgfalt. Entwicklungsrichtung: Sorgfalt.
Übertreibung von Sorgfalt
Fehlerfeindlichkeit
„Fehler darf es nicht geben.“
auch Fehlerangst, Null-Fehler-Druck
Gegenwort zur Fehlerfreundlichkeit und zugleich überzogene Sorgfalt. Grenzwertig, weil Menschen Fehler verstecken und niemand mehr etwas Neues wagt.
Übertreibung von: Sorgfalt. Verneinung von: Fehlerfreundlichkeit. Entwicklungsrichtung: Fehlerfreundlichkeit.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeFehlerfreundlichkeit · Sorgfalt · Unsorgfältigkeit · Fehlerfeindlichkeit
Zielwert
Fehlerfreundlichkeit
auch Fehlerkultur · Fehlertoleranz
Gemeint ist ein Umfeld, in dem Fehler offen angesprochen statt versteckt werden. Hilfreich, weil nur gemeldete Fehler korrigiert werden können.
Schwestertugend
Sorgfalt
auch Gründlichkeit · Exaktheit
Gemeint ist Gewissenhaftigkeit, die Fehler möglichst vermeidet. Hilfreich, weil Fehlerfreundlichkeit nicht heißt, Fehler gleichgültig hinzunehmen.
Übertreibung von Fehlerfreundlichkeit
Unsorgfältigkeit
auch Schlamperei · Nachlässigkeit
Verneinung der Sorgfalt und zugleich überzogene Fehlerfreundlichkeit. Grenzwertig, weil vermeidbare Fehler zur Gewohnheit werden – mit Folgen für Kunden und Sicherheit.
Der Weg heraus: Richtung Sorgfalt
Übertreibung von Sorgfalt
Fehlerfeindlichkeit
auch Fehlerangst · Null-Fehler-Druck
Gegenwort zur Fehlerfreundlichkeit und zugleich überzogene Sorgfalt. Grenzwertig, weil Menschen Fehler verstecken und niemand mehr etwas Neues wagt.
Der Weg heraus: Richtung Fehlerfreundlichkeit
Die ÜbertreibungWann Unsorgfältigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Fehlerfreundlichkeit heißt Unsorgfältigkeit (auch: Schlamperei, Nachlässigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Ein Entwicklungsteam baut in zwei Tagen einen groben Prototyp aus Karton und Klebeband, um eine Produktidee mit Kunden zu testen. Perfektion wäre hier Verschwendung – der Entwurf soll scheitern dürfen, bevor viel Geld fließt.
Junge Eltern lassen in den ersten Wochen mit ihrem Neugeborenen Haushalt und Ordnung bewusst schleifen: Die Wäsche bleibt liegen, das Essen kommt auch mal aus der Tiefkühltruhe. In dieser Zeit zählen Schlaf und Zuwendung mehr als eine aufgeräumte Wohnung.
Nachlässigkeit trägt, wo Fehler billig und folgenlos sind und Tempo oder Kraft für Wichtigeres gebraucht werden. Sie schadet, sobald es um Sicherheit, Gesundheit oder Anvertrautes anderer geht oder der „Entwurf“ unbemerkt zum Endprodukt wird.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung
Dass Fehlerfreundlichkeit Sorgfalt als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentSprüche 28,13
„Wer seine Missetat leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Offenheit über Fehler ist der Anfang der Besserung.
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
„Hast du Fehler, so scheue dich nicht, sie zu verbessern“, Lunyu 1.8; „Einen Fehler machen und ihn nicht verbessern – das erst heißt einen Fehler machen“, Lunyu 15.29
- 4. Jh. v. Chr.PhilosophieAristoteles
Man kann „auf vielfache Weise fehlen“, aber „nur auf eine Weise recht machen“ – „es ist leicht, das Ziel zu verfehlen, aber schwer, es zu treffen“, Nikomachische Ethik II
- 1. Jh.Neues TestamentJohannes 21,15–17
Nach der dreifachen Verleugnung fragt Jesus Petrus dreimal „Hast du mich lieb?“ – und vertraut ihm danach die Herde an. Der Fehler wird angesprochen, nicht übergangen, und beendet die Berufung nicht.
Jakobus 3,2„Denn wir fehlen alle mannigfaltig.“ Wer das weiß, führt nicht mit dem Anspruch der Fehlerlosigkeit.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
„Der Schüchterne lernt nicht“, Avot 2,5
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungTalmud
„Kein Mensch versteht die Worte der Tora, wenn er nicht darin gestrauchelt ist“, Gittin 43a
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung3 Studien, davon 1 Metaanalyse · 1996–2008
- 1996
In einer Studie an Krankenhausstationen meldeten gerade die besser geführten Teams mehr Medikationsfehler – nicht weil sie mehr Fehler machten, sondern weil sie eher bereit waren, sie offenzulegen.
Edmondson, 1996 - 1999
In 51 Teams eines Industrieunternehmens sagte „psychologische Sicherheit“ das Lernverhalten voraus, und dieses wiederum die Teamleistung.
Edmondson, 1999
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Was passiert in deinem Team, wenn jemand sagt: „Mir ist ein Fehler passiert“?
- Wann hast du zuletzt einen eigenen Fehler offen benannt – vor allen?
- Unterscheidest du zwischen einem mutigen Versuch, der scheitert, und einer vermeidbaren Nachlässigkeit?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Fehlerfreundlichkeit in der Praxis aus
Sara Blakely (Spanx)
Ein Vater fragt seine Kinder jeden Abend nach ihren Fehlschlägen – und legt damit den Grundstein für eine Unternehmerin, die sich von Absagen nicht aufhalten ließ.
Ed Catmull (Pixar)
Pixar zeigt seine Filme, solange sie noch schlecht sind – damit Kollegen die Schwächen früh benennen können.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenFehlerfreundlichkeit im Wappen
Farbe im Wappen: Grün
- SymbolGeknicktes Rohr
Ein geknicktes Rohr ist geschwächt, aber nicht verloren – wer es nicht vollends zerbricht, lässt ihm die Chance, sich wieder aufzurichten. Es steht für dich, wenn du Menschen nach einem Fehler nicht abschreibst, sondern ihnen hilfst, wieder aufzustehen.
- oder als AlternativeGlimmender Docht
Ein glimmender Docht brennt nur noch schwach, doch mit etwas Schutz und Luft kann daraus wieder eine Flamme werden. Damit betonst du, dass du Motivation nach Rückschlägen schützt und den kleinen Funken in jemandem wieder entfachst.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung