Punkte fügen sich Spalte um Spalte zu einem Raster; ein schiefer wird golden ins Licht geholt statt versteckt, und das Raster lernt. Wird alles nur noch durchgewunken, verlottert es – bis ein ruhiges Lineal es Spalte für Spalte wieder ausrichtet.
Kurz gesagt
Pixar zeigt seine Filme, solange sie noch schlecht sind – damit Kollegen die Schwächen früh benennen können. Fehlerfreundlichkeit wird hier zum Arbeitsprinzip.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Ed Catmull, Mitgründer und langjähriger Präsident von Pixar, beschreibt in seinem Buch „Creativity, Inc.“ das sogenannte Braintrust. Das Gremium trifft sich alle paar Monate, um jeden Film in der Produktion zu begutachten. Es lebt davon, dass alle Beteiligten Fehler als normalen Zwischenschritt akzeptieren.
Eine raue, unfertige Form, ringsum Punkte, die auf golden markierte Schwachstellen zeigen – wie Ed Catmull bei Pixar.
01
Am Anfang ist jeder Film schlecht
Situation
Catmull schreibt offen: „Am Anfang sind alle unsere Filme schlecht.“ Die Aufgabe bestehe darin, sie von schlecht zu nicht-schlecht zu bringen. Regisseure zeigen deshalb unfertige Fassungen, und Kollegen – Regisseure, Autoren, Story-Verantwortliche – benennen offen die Probleme. Catmull nennt das Braintrust das wichtigste Werkzeug für ehrliche Rückmeldung.
Bezug zum Wert
Wer davon ausgeht, dass erste Fassungen misslingen, muss Schwächen nicht verstecken. Fehler werden sichtbar, solange sie noch billig zu beheben sind.
02
Kritik ohne Weisungsrecht
Situation
Das Braintrust hat bewusst keine Macht. Nach Catmull konnte die Gruppe dem Regisseur nicht vorschreiben, was er tun soll; die Verantwortung für den Film bleibt bei ihm. So muss niemand in Verteidigungshaltung in den Raum kommen. Als Hindernisse für Offenheit nennt Catmull die Angst, dumm dazustehen, andere zu kränken, eingeschüchtert zu werden oder Vergeltung zu erleben. Nach seiner Darstellung half das Gremium, Toy Story 2 zu retten, als der Film zu scheitern drohte.
Bezug zum Wert
Fehlerfreundlichkeit braucht Sicherheit. Weil Kritik keine Befehle erzeugt, kann sie ehrlich sein – und der Regisseur kann sie annehmen, ohne das Gesicht zu verlieren.
03
Die andere Seite
Catmull selbst nennt das Braintrust nicht narrensicher. Fehlerfreundlichkeit ersetzt die Sorgfalt nicht, sie schafft ihr erst den Raum: Am Ende zählt ein Film, der nicht mehr schlecht ist.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Zeig Unfertiges frühHol Rückmeldung, solange Änderungen noch leicht sind.
02
Trenne Rat und EntscheidungKritik wirkt offener, wenn sie keine Anweisung ist.
03
Schütze die OffenheitAchte darauf, dass niemand für ehrliche Worte bestraft wird.
Lies nach, was hinter Fehlerfreundlichkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Sorgfalt.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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