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Beispiel zum WertNachhaltigkeit (50)

Politik & Staat

Wie Hans Carl von Carlowitz den Wald als Rechnung dachte

Aus Sorge um das Holz für den sächsischen Bergbau forderte Hans Carl von Carlowitz 1713 eine „nachhaltende“ Nutzung des Waldes.

Ein goldener Kreislauf trägt Ernte vom Feld in den Speicher und Saat zurück, und was genommen wird, wächst nach. Steht er still, wuchert das Feld, der Speicher leert sich und bricht – bis er wieder gefüllt wird und der Kreislauf in Maßen weiterläuft.
Kurz gesagt

Aus Sorge um das Holz für den sächsischen Bergbau forderte Hans Carl von Carlowitz 1713 eine „nachhaltende“ Nutzung des Waldes. Er zeigt, dass Nachhaltigkeit als nüchterne Rechnung begann, nicht als Gesinnung.

2 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) war ab 1711 Oberberghauptmann im Erzgebirge. Als Leiter des Oberbergamts Freiberg war er unter anderem für die Holzversorgung des Berg- und Hüttenwesens zuständig. Das Erzgebirge war damals eines der größten Bergbaureviere Europas – und aus dieser Verantwortung entstand ein Begriff, der heute weltweit gebraucht wird.

Ein Wald, in dem neben jedem gefällten Stamm ein goldener Setzling nachwächst – wie Hans Carl von Carlowitz und der Wald.
Ein Wald, in dem neben jedem gefällten Stamm ein goldener Setzling nachwächst – wie Hans Carl von Carlowitz und der Wald.

Holznot im Erzgebirge

Situation
Gruben und Schmelzhütten brauchten Holz in großen Mengen: als Energiequelle, als Baumaterial unter Tage und für die Verhüttung. Bergbau und Gewerbe belasteten die Wälder stark, Bevölkerungs- und Städtewachstum verschärften die Holznot. Carlowitz fürchtete einen Holzmangel und kritisierte den Raubbau an den Wäldern, der auf kurzfristigen Gewinn zielte.
Bezug zum Wert
Nachhaltigkeit beginnt mit dem Blick auf die Grundlage, von der alles andere abhängt. Für Sachsen war das der Wald: Ohne Holz keine Gruben.

Ein Buch und ein Wort

Situation
1713 erschien in Leipzig seine „Sylvicultura oeconomica“, die als erstes eigenständiges Werk über die Forstwirtschaft gilt. Darin schrieb er, die größte Kunst werde darin bestehen, Erhaltung und Anbau des Holzes so anzustellen, „daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe“ – ohne sie könne das Land „in seinem Esse nicht bleiben“. Das Wort „nachhaltend“ kommt in dem 432-seitigen Buch nur ein einziges Mal vor. Trotzdem gilt Carlowitz als Schöpfer des Begriffs Nachhaltigkeit, der zum Fachbegriff der Forstwirtschaft wurde.
Bezug zum Wert
Carlowitz verband Nutzung und Erhalt: Der Wald sollte genutzt werden, aber so, dass er dauerhaft trägt. Genau das ist der Kern von Nachhaltigkeit.

Die andere Seite

Sein Motiv war auch handfest ökonomisch – Nachhaltigkeit begann hier als Rechnung, und ohne ihr Gegenstück, die Wirtschaftlichkeit, ist sie nicht zu denken. Die Allgemeine Deutsche Biographie betont allerdings, dass seine Klagen nicht allein vom Bergbau her gedacht waren.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Substanz schützenFrag, wovon deine Organisation in zwanzig Jahren lebt – und ob du es heute aufbrauchst.
  2. RechnenBegründe Nachhaltigkeit auch mit Zahlen, nicht nur mit guten Absichten.
  3. Klare WorteEin treffender Begriff kann eine Idee über Jahrhunderte tragen.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Nachhaltigkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Wirtschaftlichkeit.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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