Ein goldener Kreislauf trägt Ernte vom Feld in den Speicher und Saat zurück, und was genommen wird, wächst nach. Steht er still, wuchert das Feld, der Speicher leert sich und bricht – bis er wieder gefüllt wird und der Kreislauf in Maßen weiterläuft.
Kurz gesagt
Nach einem Buch, das ihn traf wie ein Speer, setzte der Gründer des Teppichfliesen-Herstellers Interface 1994 ein radikales Umweltziel. Sein Beispiel zeigt, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehen können – aber nicht ohne Widerspruch.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Ray Anderson gründete 1973 das Unternehmen Interface und war ein Pionier der Teppichfliesen. Eine Umweltvision hatte er nach eigenen Worten lange nicht – außer „comply, comply, comply“: Vorschriften einhalten. 1994 änderte sich das grundlegend.
Ein geschlossener Kreislauf aus Pfeilen mit goldener Mitte – wie Ray Anderson, der Interface auf null Umweltschaden verpflichtete.
01
Ein Speer in der Brust
Situation
Anderson stellte eine Taskforce zusammen, die die Umwelthaltung des Unternehmens formulieren sollte, und las 1994 Paul Hawkens Buch „The Ecology of Commerce“. Dessen Botschaft sei „ein Speer in meiner Brust“ gewesen, der bis heute dort stecke.
Bezug zum Wert
Aus Pflichterfüllung wurde Überzeugung. Nachhaltigkeit war für Anderson nicht länger eine Auflage von außen, sondern ein Ziel, für das er als Chef persönlich einstand.
02
Mission Zero
Situation
Anderson verpflichtete Interface auf die „Mission Zero“: bis 2020 keine negativen Umweltwirkungen mehr. 2019, ein Jahr früher, meldete das Unternehmen das Ziel als erreicht. Die Treibhausgasemissionen der Fabriken sanken über zwei Jahrzehnte um 96 Prozent, der Energieeinsatz in der Produktion halbierte sich. Zugleich stieg der Umsatz von 625 Millionen Dollar (1993) auf 1,2 Milliarden (2018).
Bezug zum Wert
Anderson sprach von „doing well by doing good“ – Erfolg durch Gutes tun. Die Zahlen zeigen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich nicht ausschließen müssen.
03
Die andere Seite
Kritiker warfen Interface dennoch immer wieder Greenwashing bei weniger nachhaltigen Geschäftsteilen vor – und, von der anderen Seite, dass es seine Pflicht vernachlässige, die Rendite für die Aktionäre zu maximieren. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss mit Widerspruch von beiden Seiten rechnen.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Mutig zielenEin Ziel, das zunächst unmöglich klingt, kann eine ganze Organisation in Bewegung bringen.
02
Wirtschaftlich begründenVerbinde ökologische Ziele mit einer klaren wirtschaftlichen Rechnung.
03
Offen bilanzierenLeg deine Zahlen offen – das ist die beste Antwort auf Kritik von beiden Seiten.
Lies nach, was hinter Nachhaltigkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Wirtschaftlichkeit.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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Wert und Schwester – aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.