Ignaz Semmelweis wurde 1846 Assistent von Professor Johann Klein an der Ersten Geburtshilflichen Klinik des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Dort starben im Schnitt rund zehn Prozent der Mütter am Kindbettfieber, an der Zweiten Klinik weniger als vier Prozent. Semmelweis wollte wissen, warum – und kam zu einem Ergebnis, das seinen Berufsstand unbequem traf.
Ein Unfall bringt die Erkenntnis
- SituationSein Freund Jakob Kolletschka verletzte sich bei einer Leichenöffnung am Skalpell eines Studenten. Semmelweis zog daraus den Schluss, dass Leichengift von den Händen der Ärzte das Kindbettfieber auslösen könnte. 1847 ließ er Ärzte und Studenten vor Untersuchungen die Hände in Chlorkalklösung waschen. Die Sterblichkeit sank von 18,3 Prozent im April auf 2,2 Prozent im Juni, 1,2 Prozent im Juli und 1,9 Prozent im August.
- Bezug zum WertSemmelweis folgte seiner eigenen Beobachtung, nicht der herrschenden Lehre.
Allein gegen die Kollegen
Die andere Seite
Semmelweis veröffentlichte lange nichts; sein Buch erschien erst 1861. Seine offenen Briefe waren scharf polemisch, zum Teil nannte er Kritiker verantwortungslose Mörder. Verbündete gewann er so kaum. Er starb 1865 mit 47 Jahren in der Landesirrenanstalt Döbling; breit anerkannt wurden seine Befunde erst Jahre nach seinem Tod, als Louis Pasteur und Joseph Lister die Grundlagen der Antisepsis legten.
Was du daraus lernen kannst
- BeobachtenVertraue Daten, die du selbst sorgfältig erhoben hast, auch wenn sie gängigen Meinungen widersprechen.
- TeilenEine richtige Erkenntnis wirkt erst, wenn du sie rechtzeitig und nachvollziehbar mitteilst.
- VerbündenWer andere angreift, statt sie zu gewinnen, bleibt mit der Wahrheit allein.